
Ich gehörte schon immer zu den Menschen, die eindeutig zu viel fühlen. Wobei: Geht das überhaupt? Also dieses „zu viel fühlen“ oder ist es nicht das, was uns Menschen menschlich macht?
Neulich hatte ich ein Gefühl. Es war eins von der angenehmen, besseren Sorte. So ein Gefühl, das sich anfühlt wie in das frisch bezogene Bett zu hüpfen nach dem Duschen oder wie jemand, der sagt: „Dabei habe ich an dich denken müssen.“
Ich wusste auch nicht genau, warum es da war – es war einfach da. Wie ein alter Freund, der plötzlich vor der Tür steht, ohne anzuklopfen. Am nächsten Tag war es wieder weg.
Stattdessen war da dieses andere, weniger angenehme Gefühl.
So ein bisschen wie ein Kiesel im Schuh oder ein grauer Fleck am Himmel, der sich einfach nicht wegignorieren lässt.
Kein Drama, kein Weltuntergang – nur ein unterschwelliges Na jaaaaa.
Früher dachte ich, Gefühle lassen sich sortieren wie Wäsche: Bunt, Dunkel, 30 Grad, 90 Grad. Und es gibt gute Gefühle und schlechte Gefühle (Da ist er wieder: Die GZSZ-Titelsong ;))
Heute weiß ich: Gefühle lassen sich nicht einfach einteilen in gut oder schlecht. Und sie haben keinen auch Stundenplan. Sie kommen, wenn es ihnen passt. Sie gehen, wenn wie wollen. Manche bringen Blumen mit. Andere eher Chaos. Und trotzdem: Sind sie alle wichtig.
Vielleicht zeigen sie uns, wo’s weh tut – oder wo’s schön ist – oder wo wir uns selbst verloren haben.
You can’t have the sweet without the bitter.
(Stephen Stills)
Man muss nicht jedes Gefühl sofort verstehen. Man darf es auch einfach da sein lassen. Wie ein Gast, der sich nicht benehmen kann – aber aus irgendeinem Grund doch irgendwie dazugehört.
Was war dein Gefühl der Woche? Und: Hat es dich genervt, berührt oder einfach nur daran erinnert, dass du lebst?
