
Gestern bin ich durch die City gelaufen, so wie man manchmal läuft, wenn man eigentlich nirgendwo hin muss: ein bisschen ziellos, ein bisschen offen für alles.
Und dann passierte das, was immer passiert, wenn man aufhört, in sein Handy zu schauen oder mit den Gedanken woanders zu sein: Die Menschen tauchten auf.
Ein junges Paar, das sich Arm in Arm durch die Bahnhofspromenade schlängelte, und dabei nur Augen für sich hatte. Eine Mama, die am Bahnsteig ihre Arme aufriss – so, als müsste sie die ganze Ankunft ihrer Tochter und ihres Mannes auf einmal auffangen. Und eine Gruppe Freundinnen, die mit Pommes in der Hand durch die Menge zog und dabei, völlig unabsichtlich, eine Horde Tauben aufscheuchte. Die Tauben flogen davon. Irgendjemand lachte.
Es gibt Tage, an denen die Welt so laut ist, dass man kaum noch weiß, wo man hinschauen soll. Kriege, Katastrophen, das Gefühl, dass draußen gerade sehr viel auf einmal brennt. Und dann steht man plötzlich mitten in einer Bahnhofshalle und beobachtet, wie eine Frau ihre Arme aufreißt, und denkt: Okay. Mit uns ist vielleicht doch nicht alles falsch.
Diese Momente lassen mich leuchten. Nicht strahlen, auch nicht jubeln, einfach nur leuchten. So von innen, fast schon genügsam und mit ein bisschen Pipi im Auge.
Und ganz nebenbei spazierte die Frage durch meinen Kopf: Wann fühle ich mich eigentlich lebendig?
Ich weiß inzwischen, wann ich mich lebendig fühle. Beim Ausprobieren neuer Dinge, auch wenn daraus nie ein Hobby wird. Spoiler: und es wird fast nie eines, aber das ist für mich inzwischen vollkommen okay. Beim Abheben und Landen, diesem kurzen Moment, in dem die Erde unter einem wegkippt oder wiederkommt. Am Wasser, Meer oder See ist völlig egal, im Wasser, irgendwo da, wo der Horizont einen nicht fragt, was man vorhat. Wenn in einem Gespräch plötzlich etwas aufgeht, das vorher verschlossen war. Wenn ein Tier einen anschaut, als wäre man die interessanteste Person im Raum – und man kurz versucht ist, es zu glauben.
Das sind keine großen Dinge. Und doch erinnern sie mich allesamt daran, wie schön dieses Leben ist.
Und nun sag: Wann fühlst du dich so richtig lebendig? Und isst du deine Pommes lieber mit Ketchup oder mit Majo?
