Hast du ein Lieblingsgefühl?

Kürzlich bin ich über diese Frage – sagen wir – eher beiläufig gestolpert. Zwischen Papierschnipseln, doppelseitigem Klebeband und den großen und kleinen Ideen meines Visionboards für 2026.

Und sie blieb hängen.

Denn plötzlich merkte ich, wie selten ich mir diese Frage wirklich stelle.
Nicht nur: Hast du ein Lieblingsgefühl?
Sondern auch: Wie will ich mich eigentlich fühlen?

Erst dachte ich: Ein Gefühl? Ernsthaft? Wie soll man sich da entscheiden? Es gibt so viele, die ich sofort zu Lieblingsgefühlen krönen würde.

Zum Beispiel Ruhe, die friedlich und nicht leer ist.
Oder Lebendigkeit ohne Hektik.
Oder dieses weite, wärmende Gefühl, wenn innerlich etwas passt, ohne dass man es erklären muss.

Während ich darüber nachdachte, fiel mir noch etwas anderes auf. Nämlich: Wie sparsam wir in der deutschen Sprache mit Gefühlen umgehen.

Freude. Traurigkeit. Angst. Liebe.
Als würden wir das Leben grob sortieren, um schneller weiterzukommen. Pragmatisch und effizient.

Ich liebe meine Muttersprache, ich liebe deutsche Literatur. Aber ganz unter uns: Das mit den Gefühlen, find ich, das funktioniert in anderen Sprachen einfach besser.

In anderen Sprachen sind Gefühle oft treffsicherer. Zarter. Verspielter. Manchmal sogar ein bisschen poetisch. Und hin und wieder ertappe ich mich dabei, wie ich denke: Jaaaa, es gibt ein Wort, das exakt die vielen Facetten eines Gefühls beschreibt!

Mir begegnete zum Beispiel vor einiger Zeit so ein Wort: Saudade (Portugiesisch).

Ein Gefühl zwischen Sehnsucht und Erinnerung. Ein Vermissen, das nicht schmerzt, eher verbindet. Mit Menschen, mit Momenten. Mit etwas, das vielleicht war. Oder vielleicht noch kommt.

Man könnte es Melancholie nennen, aber das greift meiner Meinung nach zu kurz. Saudade ist alles andere als Mangel. Es ist Tiefe.

Und je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir eins:
Ich brauche gar nicht das eine Lieblingsgefühl. Ich brauche einfach nur mehr Worte dafür (zumindest im Deutschen ☺️). Oder mehr Erlaubnis, zwischen ihnen zu wechseln.

Denn gerade jetzt, in der Zeit des Jahreswechsels, merke ich, dass ich ziemlich gut darin bin, Pläne zu schmieden. Ideen, Vorhaben und nächsten Schritte? Yay, ich bin dabei! Auf welcher Liste soll ich alles notieren?

Aber ich will vor allem wieder eins: mehr fühlen.
Nicht statt der Pläne – daneben. (Der Blogpost zum Thema Gleichzeitigkeit passt hier, wie ich finde, sehr gut.)

Ich frage mich oft, was ich will. Seltener, wie es sich anfühlen soll.

Gibt es dieses eine Gefühl, von dem ich mehr haben möchte?
Wahrscheinlich nicht nur eins.
Sagen wir… drei. (Alle drei habe ich bislang noch nicht für mich gefunden, aber wenn ich sie gefunden habe, dann werde ich sie hier verewigen.)


Seitdem denke ich nicht nur in Zielen; ich denke in inneren Zuständen, in Resonanz und wie mein Körper antwortet.

2026 darf gerne strukturiert sein und durchdacht. Vor allem aber darf es sich lebendig anfühlen. (Ha, und damit haben wir doch direkt schon ein Lieblingsgefühl gefunden!)

Was wären deine drei Lieblingsgefühle? Und welches davon soll in diesem Jahr mehr Raum bekommen?


Und weil ich es selbst so schön finde, sind hier noch drei weitere Gefühle, für die es im Deutschen keine „richtige“ Übersetzung gibt:

hiraeth (Walisisch): Heimweh nach einem inneren Ort, den ich nicht benennen kann, der sich aber richtig anfühlt.

mono no aware (Japanisch): Das Wissen, dass alles Schöne vergeht und es einen deshalb berührt.

meraki (Griechisch): Die Art, wie man sich der Gegenwart hingibt; eine beseelte Aufmerksamkeit oder stimmige Hingabe.

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