25/52: Einmal bitte mehr Komplimente für Fremde

Neulich habe ich bei einer Abendveranstaltung einer fremden Frau ein Kompliment gemacht. Einfach so. Für ihr Kleid und wie schön ich es an ihr fand. 

Das klingt banal, oder? Für mich war es das keineswegs. Lass mich dir erklären, warum.

Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich kurz davor da stand, mit pochendem Herz und dieser Stimme im Kopf: „Sag’s lieber nicht. Sie denkt bestimmt, du bist komisch. Oder aufdringlich. Oder…“ – mein ganzer Körper war auf Flucht eingestellt.

Und dann habe ich es doch gesagt. Dafür musste ich zuerst die kleine Gruppe von Menschen, bei der sie stand, mitten im Gespräch unterbrechen (unangeneeeeehm!).

„Dein Kleid ist wunderschön und es steht dir fantastisch. Darf ich fragen, woher du es hast?”

Alle aus der Gruppen schauten mich mit offenem Blick an. Sie lächelte. Und in diesem Moment war die ganze Nervosität… einfach weg.

Es fühlte sich an, als hätte ich ein kleines Fenster geöffnet – zwischen zwei Menschen, die sich sehr wahrscheinlich nie wiedersehen werden. Wo sie ihr Kleid her hatte, konnte sie mir nicht sagen. Und weißt du was? Irgendwie spielte das für mich auch gar keine Rolle mehr.

Seitdem denke ich: Warum machen wir das nicht öfter? Komplimente an Fremde verschenken. Einfach weil uns etwas auffällt. Quasi ein bisschen Konfetti im Alltag, das fast nichts kostet und gleichzeitig so viel bewirkt.

Vielleicht ist genau das das Schöne an Komplimenten: Sie sind nicht nur ein Geschenk an den anderen, sondern auch ein kleiner Befreiungsschlag gegen die eigene Schüchternheit.

Freundlichkeit ist eine Sprache, die Taube hören und Blinde sehen können. (Mark Twain)

Ich habe mir jedenfalls vorgenommen: Ab jetzt öfter! Mal ein Lächeln, mal ein Satz, ein ehrliches „Wow, schöne Jacke!“ beim Bäcker oder in der Straßenbahn. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil es sich so anfühlt, als würde ich damit ein Stück Menschlichkeit in die Welt zurücklegen, das ich selbst auch gerne finde.

Wenn du so zurückdenkst: Wann hast du das letzte Mal ein Kompliment bekommen oder verschenkt? Und was macht für dich ein richtig schönes Kompliment aus?

Memo an mich


Mut ist manchmal nur ein einziger Satz.

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