
Diese Woche ist mir etwas widerfahren, was ich einerseits ganz schön alltäglich und andererseits mindestens genauso besonders finde – so besonders, dass es sich noch Tage danach in meinem Kopf als wohltuender Gedanke eingenistet hat.
Aber zurück auf Anfang.
Es war Donnerstag. Ich stand früh auf, denn an diesem Donnerstag war eine Dienstreise nach Erfurt mein Morgenprogramm. Früh aufstehen bedeutete in dem Fall, so gegen 6 Uhr aus dem Bett purzeln, um pünktlich kurz vor 7 Uhr das Haus zu verlassen. Gut vorbereitet, wie ich üblicherweise bin, wusste ich, dass ich spätestens 6:58 Uhr das Haus verlassen muss, um rechtzeitig an der Bahnhaltestelle meine Tram in Richtung Bahnhof zu erwischen. Von dort aus fuhr der ICE nach Erfurt.
Alles lief nach Plan, die Tram kam, ich stieg ein. Sie war gerade voll genug, um keinen Sitzplatz zu ergattern, aber auch nicht so voll, dass Menschen in den Gängen standen. So lief ich also durch den Gang und stellte mich hin – gedanklich schon darauf eingestellt, dass dies wohl mein Platz sein würde für die nächsten 20 Minuten bis zum Bahnhof. An sich kein Problem, denn die Zeit in Zug und Tram vertreibe ich mir meist mit einem guten True Crime Podcast oder entspannenden Handpan-Klängen auf den ge-noisecancelten Kopfhörern.
Während ich da so in der Bahn stand, in dem Bereich, dessen Seiten mich immer an eine Ziehharmonika erinnern, blickte ich mich noch einmal um – weniger suchend, eher freundlich registrierend, sah ich aus dem Augenwinkel, wie ein Junge – lass ihn vielleicht 7 oder 8 Jahre jung gewesen sein – seinen Schulranzen von der einen Seite seines Doppelsitzes nahm und auf seinem Schoß abstellte. Sein freundlicher Blick signalisierte mir, dass ich mich dort nun hinsetzen dürfe. Gedacht, getan 🙂 Ich nahm also Platz und nickte ihm dankbar und freundlich lächelnd zu. Noch in derselben Sekunde erwischte ich mich dabei, wie ich innerlich schmunzeln musste, weil ich mir dachte: „Ah ja, jetzt bist du mit 40 Jahren also in dem Alter, in dem dir ein Sitzplatz in der Bahn von jüngeren Menschen angeboten wird.“
Zwei Haltestellen später stieg der Junge aus. Bevor er ausstieg, wandte er sich mit seinem Blick mir noch einmal zu und lächelte mich an. Und was soll ich sagen: This made my day. Kennst du diese Begegnungen mit unbekannten Menschen, die deinen Weg kreuzen und mit einer kleinen Geste oder einem Lächeln deinen Tag versüßen? D A S war so eine Begegnung. Der Junge, nennen wir ihn Tim, wird es womöglich gar nicht wissen, dass er heute hier verewigt wird. Aber Tim, was ich dir (und mir und jedem anderen Menschen) bei der Gelegenheit sagen möchte: „Bitte hör niemals auf, mit offenen Augen durch’s Leben zu gehen, schau einmal mehr in die Welt und weniger auf dein Handy, und ergreife in jedem Augenblick die Chance, freundlich zu sein.“
„In a world where you can be anything – be kind.“
Aus dieser Begegnung – auch wenn sie für Außenstehende noch so banal zu sein scheint – nehme ich für mich selbst eine ganze Menge mit: Man weiß nie, was die Menschen für Päckchen zu tragen haben, man kann ihnen nicht in den Kopf schauen. Und wenn wir mit ganz wenigen Mitteln den Unterschied im Leben eines anderen Menschen machen können, dann: Lasst es uns tun! Lasst jemanden mit einem kleinen Einkauf an der Kasse den Vortritt, bietet Menschen einen Platz in Bus und Bahn an, ruft eure Eltern und Großeltern an und fragt, wie es ihnen geht, schenkt den Menschen auf der Straße ein Lächeln, schenkt den Menschen euer offenes Ohr und ein bisschen eurer Zeit.
An welche Situation erinnerst du dich, bei der du einen Unterschied im Leben eines anderen Menschen machen konntest? Ist dir vielleicht kürzlich etwas ähnlich Schönes passiert, an das du gerne zur
