
Diese Woche habe ich viel über Hoffnung nachgedacht. Darüber, wie sie uns aufrecht hält, wenn alles andere ins Wanken gerät. Vielleicht fragst du dich, was das alles ist, was mich gerade ins Wanken bringt – und sicher viele andere unter uns auch?
Offen gesprochen habe ich Angst. Ich habe Angst um die Zukunft, meine Zukunft, die Zukunft meiner Freunde, Familie, die Zukunft der der Menschheit, der Gesellschaft in Zeiten der anstehenden Wahl. Weltschmerz.
In diesen Zeiten, in denen sich aktuell so deutlich rechts – und menschenfeindlich ! – positioniert wird, habe ich Angst, dass viele von uns nicht in der Lage sind, sich vor Augen zu führen, was passiert, wenn der Großteil der Menschen ein Feindbild kreiert; die Ausgrenzung und Auslöschung dieses Feindbilds als die Lösung unserer aller Probleme betrachtet wird. Hatten wir doch schon alles, oder? Und haben wir nicht daraus gelernt?
Es mag naiv klingen, doch ich dachte, wir seien als Gesellschaft weiter gewesen, als es im Moment den Anschein macht.
Das Gefühl von Angst macht mein Herz ganz schwer, nimmt mir die Luft zum Atmen, den Raum zum Denken.
Ich wollte und will mich damit nicht abfinden. Es muss doch noch mehr geben, als Angst?! Vor einigen Tagen klopfte sie an – die Hoffnung. Erst als ganz leises Flüstern, dann mit beharrlicher Stimme, die sagt: „Alles wird gut. Morgen ist ein neuer Tag.“
Hoffnung hat eine subtile Art, sich zu offenbaren – wenn man nur genauer hinsieht oder hinhört: So zeigte sie sich mir als Sonnenstrahl, der seinen Weg durch die dicke, dunkle Wolkendecke fand. Als grünes Pflänzchen, das einen gemütlichen Platz inmitten von grauen Pflastersteinen für sich beanspruchte, so als sei es schon immer da gewesen. Sie offenbarte sich, als ich zufällig im Radio John Lennon’s Imagine hörte, oder als ich gestern die Fotos von unzähligen Menschen sah, die auf die Straße gingen, die demonstrierten und damit ein Zeichen setzten.
“Hope” is the thing with feathers –
That perches in the soul –
And sings the tune without the words –
And never stops – at all –
Emily Dickinson fand dafür ganz wundervolle Worte: „Hoffnung ist das Ding mit Federn, das in der Seele sitzt und ohne Worte singt und niemals aufhört.“ Dieses Bild hat mich berührt. Hoffnung ist wie ein Vogel, der trotz Sturm weitersingt. Sie ist keine naive Vorstellung davon, dass alles von allein gut wird – sondern die Kraft, die uns antreibt, den nächsten Schritt zu gehen, auch wenn der Weg ungewiss ist.
Gerade in herausfordernden Zeiten kann sich Hoffnung weit entfernt anfühlen. Wenn Sorgen schwer wiegen, wenn wir uns machtlos fühlen. Und doch zeigt sich immer wieder: Hoffnung ist nicht die Abwesenheit von Angst oder Schmerz, sondern die Entscheidung, ihnen nicht das letzte Wort zu überlassen.
Wie können wir Hoffnung bewahren, wenn alles dagegen spricht? Manchmal hilft es, sich an das zu erinnern, was wir bereits überwunden haben. Manchmal müssen wir aktiv nach den kleinen Lichtblicken suchen – in einem Gespräch, in der Natur, in einem Moment der Stille. Und manchmal reicht es, sich selbst daran zu erinnern: Es ist okay, sich müde zu fühlen. Hoffnung bedeutet nicht, immer stark zu sein. Sie bedeutet, trotz allem weiterzumachen.
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis: Hoffnung ist keine passive Erwartung, sondern eine Haltung. Sie wächst, wenn wir sie nähren – mit Vertrauen, mit kleinen Schritten, mit der Entscheidung, dem Leben – und irgendwie auch den Menschen – immer wieder eine neue Chance zu geben.
Und wer weiß? Vielleicht singt der Vogel in unserer Seele lauter, als wir es gerade hören können.
Dieser heutige Eintrag ist meine Form von Hoffnung, mein Ding mit den Federn 🙂
Woraus schöpfst du Hoffnung? Wie laut ist dein inneres Vögelchen gerade?
