
“Es gibt Tage, da wünscht man, sie würden nie vergehn”, sang einst Katja Ebstein. Und genau so einen hatte ich kürzlich. Einer dieser Tage, an denen das Leben sich anfühlt wie ein perfekt abgestimmter Soundtrack – wo jeder Song genau da ist, wo er sein soll und die Szene mit Leben füllt.
Zugegeben hatte ich in den letzten drei Wochen meiner Workation einige nahezu perfekte Tage, aber dieser eine Tag wird mir dabei besonders in Erinnerung bleiben.
Der Morgen begann, wie alle perfekten Tage beginnen sollten: mit Ausschlafen. (Unter Ausschlafen fällt in meiner Welt alles ab 7:30 Uhr, da ich eher zur Gattung der Frühaufsteherinnen gehöre ;))
Kein Wecker, keine Termine, nur ich und das sanfte Bewusstsein, dass ich heute nichts muss – außer genießen und den Tag nach meinen Wünschen zu gestalten. So rollte ich aus dem Nest und in der Küche unserer Workation-Mädelsunterkunft roch es nach frischem Kaffee und neuen Möglichkeiten.
Draußen schien die Sonne in genau dem richtigen Winkel und ich genoss von der Terrasse aus die morgendliche Stimmung der Stadt. Ein Hund bellte aus der Entfernung, zwei ältere Damen unterhielten sich leidenschaftlich auf spanisch in der Straße, einige Vögel zwitscherten.
Der Tag reichte mir seine Hand und lud mich ein, ihn in vollen Zügen zu genießen.
Jana* (Name minimal geändert ;)) und ich planten eine kleine Wanderung in Las Palmas, der Hauptstadt der Insel Gran Canaria. Ca. 17 Kilometer, einige davon durch die Stadt, ein Teil durch die Natur, der Rest am Strand entlang – perfekt!
Angekommen am Parkplatz und nach einigen Schritten in Bewegung spürte ich diese wunderbare Energie der Stadt. „Ich mag es total, heute in diese Anonymität der Großstadt einzutauchen und mitten drin in diesem Stadttrubel zu sein, der mich – im Gegensatz zu sonst – heute ganz und gar nicht überfordert.“, sagte ich zu Jana. Dieses kribbelnde Gefühl von Entdeckungsdrang und Neugierde trug uns durch die Stadt.
So begegneten wir auf unserer Wanderung einem Aussteiger namens El Capitan, der sein Haus auf einem Felsen auf dem Meer errichtete und dort gemeinsam mit seinen zwei Hunden lebte. Ein kleiner Zufall, vielleicht auch unsere Neugierde, führte uns zu ihm. Von weitem sahen wir sein bunt dekoriertes Haus und wollten wissen, was sich dahinter verbirgt. Vielleicht ein kleiner Kiosk, in dem wir ein kühles Getränk bekommen würden? Ein Getränk bekamen wir nicht, dafür etwas viel Wertvolleres: eine menschliche Begegnung, die uns auch Tage danach noch zum Lachen brachte.
Wenig später Namen breiteten wir an einer besonders schönen Stelle im Sand unsere Handtücher aus, legten uns hin, um dem Meer zu lauschen und im blauen Himmel zu baden. Ich lag auf dem Bauch, meine Füße zappelten in der Luft, die Hände stützten den Kopf. Ich beobachtete die Menschen, die den etwa 5 Meter von uns entfernten Weg entlang liefen. Als mir ein junger Mann auffiel, der – mit Kopfhörern und Musik auf den Ohren, die ich nur zu gerne gehört hätte – nicht einfach nur vorbeilief. Er tanzte und strahlte dabei und hatte diese unglaublich ansteckende Lebensfreude, die direkt auf mich übersprang, sodass ich im Liegen mittanzen musste. Wir nickten uns zu, tanzen uns an, waren kurz verbunden miteinander, jeder auf seine Weise… es war perfekt!
Just a perfect day, problems all left alone
Weekenders on our own, it′s such fun(A perfect day – Lou Reed)
Noch am Abend fragte ich mich, was diesen Tag so perfekt gemacht hat. Dieser Tag, der sich anfühlte wie eine warme Umarmung vom Leben selbst.
Ich glaube, es war dieses Gefühl von Fülle und – auch wenn es wie ein Gegensatz klingen mag – von Leichtigkeit. Das Gefühl, dass alles Hand in Hand geht, dass alles fließt, alles miteinander verbunden ist, irgendwie. Es waren jene ganz besonderen Begegnungen. Der unperfekte Kaffee in diesem kleinen, typisch spanischen Café, liebevoll zubereitet von der Barfrau, der ich hätte stundenlang dabei zuschauen können. Es waren Freundinnen-Momente mit tiefsinnigen Gesprächen über das Leben selbst. Es war ein Herz gefüllt mit Dankbarkeit, sodass es vor Freude beinahe platzt.
Einmal bitte alles. Und genauso war es genau richtig an jenem Tag.
Perfekte Tage sind selten planbar – sie passieren einfach. Und manchmal merkt man erst, dass man gerade einen erlebt hat, wenn man abends ins Bett fällt und denkt: Morgen darf gerne genauso werden.
Mittlerweile bin ich wieder zurück daheim – kleiner Kälteschock von 20 Grad auf Minus 6. Dabei wird mir bewusst, dass ich jetzt eine längere Zeit erst einmal nicht jeden Tag mit Freundinnen auf einer sonnigen Insel verbringen werde. Wie kann ich also die Sonneninsel-Momente in kleinen Portionen in meinen Alltag holen? Dies herauszufinden und vor allem auch umzusetzen wird meine Aufgabe für die nächsten Tage… 🙂
Und du? Was macht für dich einen perfekten Tag aus? Wann hattest du deinen letzten perfekten Tag?
