
Es gibt diese Abschiede, die fast Spaß machen: Wenn du die Wohnung verlässt, um in den langersehnten Urlaub zu reisen. Wenn du einem schlechten Haarschnitt Lebewohl sagst. Oder wenn du dich endlich von der Hose trennst, die mal wie angegossen gepasst hat, jetzt aber eher einem mittelalterlichen Folterinstrument gleicht.
Und dann gibt es die anderen Abschiede. Die, die sich anfühlen, als würde dir jemand das Herz aus der Brust nehmen, es ein bisschen herumwirbeln und dann freundlich winkend damit davonlaufen. Menschen, die aus deinem Leben verschwinden, weil es eben so ist. Orte, die du verlässt, obwohl du eigentlich bleiben willst. Zeiten, die du loslassen musst, auch wenn du sie festhalten möchtest.
„Every new beginning comes from some other beginning’s end.“
(Semisonic – Closing Time)
Manchmal tut Loslassen weh. Ganz schön sogar! Und offen gestanden: Loslassen fiel mir selbst immer schwer (Hallo, hier spricht das Klammeräffchen!). Ich konnte mich schwer trennen. Ganz besonders von Menschen, die mir die Welt bedeuten. Habe mich oft in den glückseligen Momenten verloren und mir gewünscht, sie würden für immer bleiben. Ich würde für immer in dem Moment bleiben. Aber alles geht vorbei – auch die allerschönsten Stunden.
Das Gute ist: die schwersten Zeiten gehen ebenso vorbei.
„But it comes and goes in waves
It always does“(Dean Lewis – Waves) kleine Songempfehlung by the way ;))
Manchmal fühlt sich Loslassen an wie Scheitern. Und manchmal ist es das Beste, was wir tun können. Denn während wir noch an Türen rütteln, die sich längst geschlossen haben, wartet irgendwo eine neue darauf, dass wir sie endlich öffnen.
2020 war für mich das Jahr, in dem ich gelernt habe, mich von unnötigen Dingen, Menschen, alten Identitäten, falschen Freunden, unnötigem Ballast zu verabschieden. Alles loszulassen, was nicht mehr zu mir passte. Ich habe eine berufliche Auszeit genommen, meine Wohnung gekündigt, meine alte Heimat verlassen, mich auf einen neuen Job beworben. Befreiung. Minimalismus auf allen Ebenen war bittersüß, teils schmerzhaft, teils aufregend und kribbelig, oft einsam – aber vor allem war es befreiend und rückblickend betrachtet das Jahr meiner wohl besten Entscheidungen. Einmal bitte alles (hinter mir lassen).
Und ich habe gelernt, dass es möglich ist, Momente der Glückseligkeit in meinem Herzen zu tragen – sie zu konservieren – ohne mich darin zu verlieren und mein Herz damit zu beschweren. Und wenn ich mich doch mal wieder verlier‘, dann ist das für mich inzwischen vollkommen okay. Dann denke ich an Dean Lewis und seinen Song mit den Wellen 🙂
Also, falls du gerade vor einem Abschied stehst: Weine, wenn dir danach ist (ich finde, Weinen hat eine wunderbar reinigende Wirkung). Lächle, wenn du kannst. Fühl, was du fühlen musst. Und vergiss nicht, dass Loslassen nicht nur Verlust bedeutet – sondern auch Platz für Neues schafft.
Was hast du in deinem Leben schon losgelassen, das dir erst schwerfiel, aber im Nachhinein gut getan hat? Schreib es gerne in die Kommentare! 💛
