
Hand auf’s Herz: Wann hast du dir zuletzt Sorgen gemacht?
Ich musste mal wieder feststellen, wie schnell ich mit zunehmendem Alter dazu tendiere, mir Sorgen zu machen, sobald ich länger in meiner gewohnten Umgebung in meinen gewohnten Routinen, aka. Komfortzone, stecke. Dann wird eine Reiseplanung schon zur Zitterpartie und mein Kopf ist voll mit Horrorszenarien.
Gestern ging es für mich vom Flughafen BER auf die kanarische Insel La Palma. Auf den Kanaren werde ich für die nächsten drei Wochen gemeinsam mit meinen zwei Freundinnen und Kolleginnen (nennen wir sie Jana und Katja) arbeiten und leben – ein lang gehegter Wunsch, das Nützliche – also die Arbeit – mit dem Angenehmen – also dem Urlaub – zu verbinden.
Bereits knapp zwei Wochen vorher habe ich mir in meine Handynotizen geschrieben, welche Sorgen immer mehr Raum in meinem Kopf einnehmen und mir damit schon fast ein bisschen die Vorfreude stehlen wollen. Und ich habe folgendes Experiment gewagt: Ich wollte während und nach der Reise regelmäßig prüfen, welche gefürchteten Szenarien davon eingetreten sind (Soll ich spoilern? ;)):
- Hoffentlich wird der Flug nicht kurz vorher storniert.
- Fährt der Zug pünktlich in Leipzig ab? (Ich mir dann extra noch eine Verbindung eher genommen, um auch WIRKLICH genug Alternativen bei möglichen Verspätungen zu haben. Hieß dann für mich auch 3 Uhr aufstehen.)
- Klappt alles mit der zweiten Verbindung in Berlin?
- Hoffentlich kommen die Mädels auch heil und pünktlich in Berlin zum Treffpunkt.
- Geht auch nichts beim Check-in schief?
- Vielleicht ist mein Pass abgelaufen oder mein Gepäck zu schwer oder mein Rucksack gar nicht geeignet und wird für den Transport abgelehnt?
- Bitte lass alles mit dem Flug reibungslos und ohne Turbulenzen funktionieren!
- Habe ich genug Sachen eingepackt? Neben ausreichend Kleidung darf von der Technik für meine Arbeit nichts fehlen.
- Wird die Internetleitung in der Unterkunft stabil und ausreichend schnell sein, damit wir alle drei dort arbeiten können?
- Wird das mit dem Mietauto funktionieren oder sitzen wir schlimmstenfalls am Flughafen fest?
- …
Hier die Auflösung: NICHTS, aber auch GAR NICHTS davon ist eingetreten. Nach und nach konnte ich gestern jede einzelne Sorge abhaken und habe mich einerseits gefreut, mich jedoch auch gleichzeitig gefragt, was ich daraus für die Zukunft lernen kann, um diese Anspannung zu reduzieren.
Sorgen sind wie Nudeln – man macht sich immer zu viele.
Nun könnte man meinen, das sind ja alles keine „richtigen“ Sorgen – im Vergleich zu beispielsweise Existenzängsten. Dem stimme ich gerne zu. Was jedoch alle Sorgen gemeinsam haben: Sie hinterlassen ein Gefühl von Anspannung, nehmen schnell viel Raum im Kopf ein und richten den Blick weg von dem aktuellen Moment hin zu möglichen (Horror)Szenarien in der Zukunft.
Es ist doch so, dass wir die Zukunft nur bedingt beeinflussen können. Erst recht, wenn wir abhängig von äußeren Umständen oder dem Handeln anderer Menschen sind. Wäre es also da nicht viel sinnvoller, wir richten unseren Fokus auf das, was wir im Hier und Jetzt beeinflussen können? Am Beispiel der Reise: Ich habe die wichtigsten Dinge dabei, alle wichtigen Vorkehrungen getroffen – sollte dennoch etwas nicht nach Plan laufen, vertraue ich darauf, dass auch dann eine Lösung gefunden wird und ich alles in mir trage, was ich dafür brauche.
Auf der Suche nach geeigneten Strategien im Umgang mit Sorgen bin ich über die sogenannte Sorgenstunde gestoßen. Diese Konzept stammt aus der Psychotherapie.
Um eine Sorgenstunde einzurichten, kannst du wie folgt vorgehen: Du nimmst dir eine feste Uhrzeit vor, zu der du dich auf alle Sorgen und Befürchtungen explizit einlässt, beispielsweise jeden Montag und Donnerstag um 18 Uhr für eine Stunde. Wichtig dabei ist: Alle angsterfüllten Gedanken außerhalb dieser Zeit werden unterbrochen und für die Sorgenstunde aufbewahrt.
Das hat nicht nur den Vorteil, dass du die Zeit, die du dafür aufwendest, um dir Sorgen zu machen, reduzierst, sondern auch die Intensität der Sorgen selbst.
Ich selbst finde, das klingt nach einer wunderbaren und ausprobierenswerten Strategie, an die ich mich gerne erinnern werde, sollte sich der nächste Sorgenberg anbahnen 🙂
Und nun zurück zur Frage vom Anfang: Wann hast du dir zuletzt Sorgen gemacht? Bist du jemand, der sich generell viele Sorgen macht? Welche Strategie hilft dir im Umgang damit? Ich freue mich auf deine Gedanken dazu.

Ohhh, soo ein toller Beitrag, danke für deine Worte und vor allem den Impuls mit der Sorgenstunde. 🙂
Danke ! Und eine großartige , sorgenfreie Zeit auf den Kanaren ❤️
Hab Dank dafür! Ja, die Sorgenstunde fand ich irgendwie auch so ein schönes Tool. Schön, dass dir der Impuls gefiel 🙂