36/52: Das Gegengift zu Einsamkeit

Seit einigen Jahren schon mache ich zur Vorweihnachtszeit bei der Initiative „Postkarten gegen Einsamkeit“ mit. Falls du sie nicht kennst, hier eine kurze Erklärung, was sich dahinter verbirgt: Diese Initiative (übrigens meist ehrenamtlich getragen) zielt darauf ab, Einsamkeit durch persönliche, handgeschriebene Post zu lindern. Der Kern ist bewusst einfach gehalten, um Nähe und menschliche Zuwendung zu ermöglichen. Es kann also sein, du schickst eine Postkarte an eine Person in einem Altenheim, für die die Weihnachtszeit besonders schwer ist, weil sie beispielsweise ihre Familie kaum sieht.

Der Gedanke daran macht mich so unglaublich traurig und mein Herz fühlt sich während ich das hier schreibe gleich ganz schwer an. Und gleichzeitig habe ich das Gefühl, mit einer solchen handgeschriebenen Karte (ich habe auch schon ganze Briefe geschrieben) einen kleinen Unterschied im Leben – oder zumindest in einem Moment – eines Menschen machen zu können – und er sich einen Moment lang gesehen und nicht mehr so einsam fühlt. Dass er sich selbst in Worten oder einer Geschichte erkennt. Seine Augen funkeln. Der Gedanke gefällt mir. Und ich bin der festen Überzeugung: Man muss niemanden kennen, um ihm ein paar liebe Worte zu schenken. Wir dürfen nur einmal kurz in uns hineinfühlen und uns fragen: Was würde ich mir wünschen, was würde ich gerne lesen oder hören? Eine kleine Geschichte? Eine Anekdote aus der eigenen Kindheit? Etwas, das Hoffnung und Trost spendet?

Passend dazu, lief mir kürzlich das Zitat von Benedict Wells aus „Vom Ende der Einsamkeit“ über den Weg – und ließ mich nicht los:

„Das Gegengift zu Einsamkeit ist nicht das wahllose Zusammensein mit irgendwelchen Leuten. Das Gegengift zu Einsamkeit ist Geborgenheit.“

Ich wünsch dir und mir genau das: ein Wesen, das uns geborgen fühlen lässt – und wenn dieses Wesen du selbst bist.

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