
Der Duft von frischen Brötchen zieht durch mein kleines Hotelzimmer, als hätte jemand die Tür zum Backhimmel einen Spalt weit offen gelassen. Berlin kann laut, groß und überladen sein, aber an diesem Morgen wirkt es wie eine leise Erinnerung an meine Kindheit an Weihnachten.
Das Hotel macht seinem Namen “Buch und Bett” alle Ehre. Und mein Zimmer namens “Theodor Fontane” steht dem in nichts nach: Überall, auf und im Kleiderschrank, neben dem Bett und auf dem Fensterbrett ist es mit Büchern des Autors liebevoll dekoriert. “Konsequent durchgezogen!”, denke ich mehrmals und komme aus dem Staunen nicht heraus.
Vor der Tür steht ein kleiner Schoko-Nikolaus. Einfach so. Ein „Ich war hier“ aus Vollmilch-Nuss-Schokolade. Ich nehme ihn mit wie ein Beweisstück dafür, dass man auch als erwachsene Person ein Recht auf den Besuch vom Nikolaus haben darf.
Unten im Café sitzt eine Frau mit bunt gehäkelter Mütze, und ihr Hund trägt eine bunt gehäkelte Jacke im gleichen Muster. Beide lehnen sich entspannt zurück. Ruhiger Jazz läuft im Hintergrund, nicht dieses aufdringliche, hektische Gedudel, sondern genau die Art Musik, die Platz lässt für genug eigene Gedanken.
Ich schaue mich um und entdecke den kleinen Prinzen. Natürlich entdecke ich den kleinen Prinzen, wo sonst, wenn nicht an so einem Morgen. Vielleicht ist es Zufall, vielleicht gehört er zur Standarddekoration, vielleicht ist es aber auch dieses „Man sieht nur mit dem Herzen gut“, das sich in die Atmosphäre gerieselt hat.
Ich nehme ein warmes Baguette mit Tomate und Mozzarella, halte es in den Händen. Und während ich noch einmal tief den Duft von Baguette und Moment einatme, denke ich, dass es manchmal nicht die großen Ereignisse sind, sondern die kleinen, die still und leuchtend vor einem stehen. So wie ein Schoko-Nuss-Nikolaus, ein Hund im Häkelmantel oder ein Buch, das man schon kennt und trotzdem neu entdeckt.
Ich freue mich schon auf den nächsten Morgen. Und auf alles, was sich mir dann zeigen wird.

Vor ein paar Tagen schrieb ich in meine Notizen:
„Das Leben ist keine Regatta, niemand kann an dir vorbeiziehen“. Als Erinnerung daran, dass Vergleiche unnötig sind.
Nach deinem Text dachte ich gerade: Wir sollten uns weniger Sorgen, dass Menschen (vermeintlich) an uns vorbeiziehen, sondern darauf achten, dass die Momente nicht an uns vorbeiziehen, ungesehen, verpasst. 🫶✨
So ein schöner Text und ein Teil von mir musste kurz Schmunzeln. Mein Gehirn hat sich ausgemalt, wie Mozzarella-Baguettes als Handwärmer in Jackentaschen an kalten Wintertagen fungieren können 😅
Danke dir fürs Teilen, Anna <3 An die Regatta möchte ich mich auch gerne erinnern, vor allem, wenn ich (wieder einmal) das Gefühl habe, alles und alle ziehen an einem vorbei. Und die Idee mit den warmen Baguettes als Handwärmer halte ich für ne ziemlich coole Geschäftsidee hehe 😉