31/52: In der Stille

Die Burg lag still auf einem Hügel, eingebettet in die allerschönsten Farben des Herbstlaubs.

Im Innenhof scharrten Hühner im Kies, eine Katze streift durchs Gras, irgendwo rief (sagt man das so?) ein Pfau.

Fünf Tage lang: kein Handy, kein „klassisches“ Gespräch, kein Kalender. Nur Atmen, Sitzen, Gehen. Und wieder sitzen. Fünf bis sechs Stunden täglich Achtsamkeit, Meditation und Beobachten.

Irgendwann passierte das, was ich vorher für – sagen wir mal – esoterisches Gerede hielt und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb gehofft hatte, dass es genauso bei mir eintreffen würde: Die Gedanken werden langsamer, die Welt wird feiner und man fängt an zu hören, was sonst übertönt wird.

„In der Stille antwortet die Welt.“ (Clarice Lispector)

Ich habe gemerkt,

…wie oft ich durch mein Leben renne (Grüße an alle, die mich in gemeinsamen Spaziergängen bereits mehrfach freundlich auf mein „sportliches Tempo“ hingewiesen haben ;)).

…wie sehr ich gedanklich schon im nächsten Schritt bin, während der jetzige noch läuft.

…wie oft Worte nur Lückenfüller sind, zwischen zwei Momenten, die ich nicht ganz aushalten will oder kann. 

In der Stille wurde mir klar: Wir reden viel, um uns zu zeigen. Doch wann lernt man Menschen wirklich kennen?

Zum Geburtstag bekam ich kleine Aufmerksamkeiten. Ein paar Blätter, die mich an buntes Konfetti erinnerten, lagen auf dem Platzkissen. Ein Zettel mit Glückwünschen, von dem ich bis heute nicht weiß, von wem er ist. Kurz war ich neugierig und wollte gerne wissen, wer hinter dieser schönen Idee stecke. Und dann gefiel mir Vorstellung, dass die Glückwünsche auch so reichen; als Geste, die ganz allein für sich stehen darf.

Seitdem weiß ich wieder, dass es keine großen Worte braucht, um verbunden zu sein. Nur Präsenz.

Und was nehme ich mir mit?

  • mehr Offline-Zeit, einen Tag die Woche und jeden Morgen die ersten 60 Minuten
  • mehr echte Präsenz in Gesprächen, im Alltag
  • tägliche Meditationspraxis, wenn es auch nur 5 Minuten sind

Ich muss schmunzeln, denn bei „Was nehme ich mit“ könnte ich man vermuten, ich möchte MEHR von irgendetwas tun. Dabei ist es ein WENIGER. Weniger unbewusstes oder bewusstes Ablenken, mehr echte Präsenz. Weniger haben und tun, mehr sein.

Nun bin ich neugierig: Wie gehst du mit Stille um? Fällt es dir leicht oder brauchst du immer etwas zu tun?

2 Gedanken zu „31/52: In der Stille“

  1. Bei mir hat sich das irgendwie sehr verändert. Es gab Zeiten, da hatte ich immer „was auf den Ohren“. Gerade ist es mir manchmal so viel, weil der Kopf eh schon so viele Gedanken jongliert, dass ich nicht noch zusätzliche reinbringen möchte. Wenn ich dann also was höre, einen Podcast oder ein Hörspiel, dann solche, die ich quasi schon mitsprechen kann ☺️

    Oh, und über den Abschnitt mit dem sportlichen Tempo konnte ich sehr schmunzeln!

    1. So spannend, wie wir uns verändern, oder? Die Idee mit den Podcasts oder Hörspielen, die du eh mitsprechen könntest, gefällt mir gut. Da hat man was auf den Ohren, was – wie du schreibst – nicht noch zusätzliche Gedanken reinbringt 🙂 Müsste kurz überlegen, welche das bei mir sein könnten hehe

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