
Diese Woche stolperte ich beim Lesen über eine – wie ich finde – interessante Wortschöpfung: erlebnisorientiert. Kurz war ich erstaunt und musste zweimal hinschauen, denn ich dachte, es handelt sich dabei um einen Schreibfehler. Aus vielerlei Gründen war mir der Begriff – im Gegensatz zu „ergebnisorientiert“ bis heute nicht bekannt.
Passend dazu war ich diese Woche bei strahlendem Sonnenschein eine Runde joggen. Durch den Park, Wald, entlang am Wasser… herrlich! Mich an der frischen Luft zu bewegen löst bei mir spürbar innere Blockaden und die Ideen fangen nur so an mit Sprudeln wie die Perlen in einem Glas Mineralwasser.
So lief ich also mit einem für mich normalen Tempo, weder extrem ambitioniert und schnell, noch langsam wie eine Schnecke. Als ich an einer besonders schönen Stelle ankam und mir die Sonnenstrahlen nach Wochen des grauen Himmels auf der Nase kitzelten, hörte ich eine Stimme in mir sagen: „Jetzt bleib doch mal stehen und genieße!“ Ein kurzer Widerstand: „Wieso stehen bleiben? Ich jogge doch. Pausen sind da nicht drin. Ich will doch auch mal ankommen.“ „Los jetzt! Bleib stehen, nimm dir einen Moment Zeit, du wirst es nicht bereuen.“ Okay, okay. Die Stimme hatte sich durchgesetzt. Und was soll ich sagen: Ich blieb stehen, schloss die Augen, atme tief ein und aus, öffnete die Augen, ließ mich von der Sonne bleiben, beobachtete die dünnen Äste der Bäume, die sich im Wind nach rechts und links wogen… und ich lächelte. Das war einer dieser Momente, in denen man kurz Raum und Zeit vergisst, weil man im Hier und Jetzt eins mit der Natur ist.
„Life moves pretty fast. If you don’t stop and look around once in a while, you could miss it.“ (Ferris Bueller)
Zuhause angekommen dachte ich noch eine Weile darüber nach. Ich sehe es als liebevolle kleine Erinnerung an mich selbst. An die Person, die vor allem in ihrem beruflichen Alltag ihre Runden im Hamsterrad dreht, die Ergebnisse innerhalb einer Frist abliefert und ToDos abhakt. (Und ich muss dazu sagen: es befriedigt mich extreeeeem, ToDos abzuhaken :)) Und dennoch: Dieser Gedanke, dieser Moment in der Woche haben da etwas in mir in Gang gesetzt, dem ich ab sofort mehr Bewusstsein schenken möchte: wieder mehr im Moment sein, die Pausen-Taste drücken, nicht ans Ergebnis denken, sondern an den Prozess.
erlebnisorientiert > ergebnisorientiert
Da ich mich in diesem Jahr erneut für einen Halbmarathon angemeldet habe, wird dies natürlich ein spannender Prozess. Nicht, dass ich stets super diszipliniert bin, aber ich würde schon von mir behaupten, dass gerade in Wettbewerbssituationen mein Ehrgeiz mich davon abhält, den Prozess der Vorbereitung überhaupt zu genieße, die Fortschritte bewusst wahrzunehmen und zu feiern und auch zwischendrin Pausen zu machen.
Mein Ziel steht also fest: Einen Halbmarathon laufen (zeitliche Orientierung habe ich im Kopf), das beste aus mir, den Umständen und meinem Körper herausholen. Und gleichzeitig: Pausen machen, die Aussicht und Stimmung genießen und ein wundervolles Lauferlebnis haben.
Denn am Ende des Lebens wird es keine Rolle spielen, ob ich als Zehnte irgendwann mal einen Lauf absolviert, die meisten Goldmedaillen eingesammelt, die schönste Powerpoint Präsentation vorbereitet, die meisten Aufgaben erledigt habe, die meisten Freunde hatte. Was zählt ist die Qualität der Erlebnisse.
Wie sich das Lauferlebnis gestaltet hat, werde ich im September teilen. Mal sehen wie viele abertausende Gedanken während der 21 Kilometer durch meinen Kopf kreisen.
Wie gut gelingt es dir, dem Prozess zu vertrauen ohne an ein bestimmtes Ergebnis zu denken? Wann war dein letztes Mal, bei dem du an nichts denken musstest und einfach im Moment warst? Teile es gerne in den Kommentaren <3
