28/52: Was mir die Kälte immer wieder zeigt

Die meisten von uns haben die Badesaison längst beendet, denn – sind wir mal ehrlich – wer steigt schon freiwillig in der kalten Jahreszeit in andere Gewässer als die eigene Badewanne? Nun ja, um die Frage zu beantworten: Ich. Zum dritten Jahr in Folge. Meine Badesaison hat gerade erst begonnen.

Ich gehe langsam rein. Immer. Ganz egal, wie oft ich es schon gemacht habe. Erst die Füße, dann die Knie, dann der Rest. Der Atem wird flach und schnell.

Alles, wirklich alles, in mir schreit: Warum tust du das schon wieder? Bist du vollkommen bescheuert? Mir fallen mindestens fünf Dinge ein, die viel schöner und vor allem WÄRMER sind.

Und dann… wird es ganz plötzlich still. Der Körper hört auf zu kämpfen, die Gedanken verlieren ihre Dringlichkeit. Nur noch Kälte und Gegenwart.

Weißt du, was verrückt daran ist? Während das Wasser außen kühlt und sich dabei anfühlt wie tausende kleiner Nadelstiche auf der Haut, wird innen etwas ruhig. Das Herz schlägt langsamer, der Atem wird tiefer und der Geist klarer.

Studien können die Wirkung sogar belegen: Eisbaden senkt nachweislich den Stresshormonspiegel, stärkt das Immunsystem und lässt den Körper vermehrt Endorphine ausschütten. Die Wissenschaft nennt das dann „kälteschockinduzierte Glücksgefühle“. Ich nenne es: Leben pur.

Ich lerne jedes Mal dasselbe… und irgendwie vergesse ich es trotzdem immer wieder:

  • Dass Mut kein Gefühl ist, sondern eine Entscheidung. (Habe kürzlich eine Art Formel entwickelt und überlege, ob ich dazu nochmal in einem Beitrag näher darauf eingehe…)
  • Dass Widerstand nichts Schlechtes ist – nur ein ganz natürliches Zeichen, dass etwas in Bewegung kommt.
  • Und dass es manchmal diesen Sprung ins Kalte braucht, um wieder zu spüren, dass man lebt.

„Der kürzeste Weg zu sich selbst geht manchmal durch’s kalte Wasser.“

Und während ich schreibe, kommt mir der Gedanke, dass Eisbaden eine ziemlich coole Metapher für’s Leben ist:

Nicht warten, bis man sich bereit fühlt. Sondern losgehen, obwohl’s sich kurz unangenehm – ja beinahe falsch – anfühlt. Weil das eigene Wachstum selten dort beginnt, wo’s angenehm ist – sondern dort, wo wir uns trauen, kurz durchzuatmen und zu sagen: Sch*** drauf, ich mach’s trotzdem.

Ich bin neugierig: Wann war dein letzter Sprung ins kalte Wasser und wie hast du dich gefühlt, davor, während dessen und danach?

4 Gedanken zu „28/52: Was mir die Kälte immer wieder zeigt“

  1. Hey Ursel, ich finde deinen Blog grad sooo passend. Und das Beste – ich hab heute auch meine Badesaison eröffnet. Und es hat sich echt krass angefühlt, im Wasser… Schmerz und Nadelstiche, und dann wenn der Atem langsam ruhiger wird, merke ich wie ich langsam aus dem Kopf ins fühlen komme. Noch ist es kurz, weil ich noch nicht so lange durchhalte, aber ich bleibe dran und hab heute durch Zufall einen potentiellen mitbader gefunden.
    Und dann der Moment, wo ich draußen bin und die Haut an der Luft die Kälte nicht spürt, alles durchblutet wird und ich das Glücksgefühl wahrnehme und spüre, mich Leichtigkeit umgibt und auch die Bestätigung, dass es sich gelohnt hat sich zu überwinden.

    Soviel zu mir und meinen Eindrücken und ich finde es klasse, dass du das so durch ziehst!

    Liebe Grüße, Matthias

    1. Hab vielen Dank für’s Teilen, Matthias! Wie schön, dass du auch weitermachst und dich jedes Mal überwindest. Ich fühle alles davon nach. Es kommt am Ende auch gar nicht auf die Länge der Zeit an, sondern dass man seinen Schweinehund überwunden hat. Das Gefühl danach ist unbeschreiblich. Und wie du auch schon schreibst: „langsam aus dem Kopf ins Fühlen kommen.“ Das ist auch für mich das Beste daran. Ich wünsche uns eine erfrischende Winterbadesaison 😉

  2. Oh ja, dass Mut in erster Linie eine Entscheidung ist, das passt so gut! Denn wenn ich sage, dass Mut belohnt wird – zeitversetzt, dann sind es eigentlich mutige Entscheidungen, die belohnt werden. 🧡

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